PUT IN PRISON

protesta en estados unidos en contra de la guerra en ucrania

OLIVER TISSOT – offener Brief veröffentlicht 15.3. in Nürnberger Nachrichten

NÜRNBERG – Als Komiker meint man, allem Bösen der Welt etwas Wirkungsvolles entgegensetzen zu können: Humor, mit dem man durch die Hintertür die Hirne der Hasserfüllten und Hasardeure erreicht. In den letzten Tagen ist jedoch selbst mir Optimisten das Lachen vergangen.

Vor dem Ukrainekrieg hatte ich mir gewünscht, dass Corona nicht mehr unseren Alltag und die Schlagzeilen bestimmt. Niemals hätte ich gedacht, dass es im direkten Anschluss noch schlimmer kommen könnte.

Wenig Wirkung

Dass dabei die international rasch ansteigende Zahl an Ukraine-Unterstützern, Demonstranten und Sanktionsbefürwortern den über Leichen gehenden Putin nicht ansatzweise ins Zweifeln bringt, nährt meine Sorge, dass die internationale Solidarität noch zu wenig bewirkt.

Vielleicht klingt Solidarität zu sehr nach Rarität und man überhört, dass da extra zwei Konjunktive drinstecken, damit noch mehr sagen: „Soll i da helfen?“ und schließlich „I’ tät’ gern helfen!“

Welch tragikomische Absurdität, dass Ukraine-Präsident Selenskyi, der derzeit heldenhaft die Freiheit verteidigt, einst Komiker war.

Jan Böhmermann sagte im letzten ZDF Magazin Royale in Anspielung auf Artikel 51 der Satzung der Vereinten Nationen: „Wenn ein Land, das von einem Clown geführt wird, mit militärischer Gewalt angegriffen wird, dann löst das den Bündnisfall aller Clowns aus.“

Würde ich unterschreiben. Ich fühle mich persönlich involviert, als Europäer, als Demokrat, als Pazifist und tatsächlich auch als Komiker. Der Überfall auf die Ukraine zeigt, wie schnell Frieden gebrochen und unser vermeintlich sicheres Alltagsleben in Europa bedroht sein kann. Vielleicht war Corona nur eine Vorübung.

Anders als bei Corona sollten wir aber nicht auf Abstand gehen, sondern Stellung beziehen. Selenskyi bat bei einer Sitzung des EU-Parlaments per Video: „Beweisen Sie, dass Sie uns nicht im Stich lassen, beweisen Sie, dass Sie wirklich Europäer sind, und dann wird das Leben gewinnen über den Tod und das Licht über die Dunkelheit.“ Das „licht“ auch mir. Nutzen wir also unsere Kontakte: In die Ukraine, um zu helfen und nach Russland, um Freunde aufzuklären und zu informieren, was wirklich passiert.

Neue Netzwerke

Dank Corona kennen wir die AHA-Hygieneregeln. Für die Psychohygiene im Krieg empfehle ich meine persönliche WOW-Regel gegen Wut, Ohnmacht und Witzlosigkeit. Gegen meine Wut auf Putin gestalte ich jeden Tag gemeine Putin-Posts, die ich meinen Freunden schicke. Tut ungemein gut. Danach ist die Wut erstmal weg.

Gegen die Ohnmacht knüpfe ich neue Netzwerke in die Ukraine. Die ersten 12 Kartons mit Arzneimitteln, Decken, Babywindeln, etc. sind letzten Samstag auf den Weg gebracht worden. Dass man Wichtiges mit Witzigem verbinden kann, möchte ich mit einer Benefizveranstaltung zeigen, die am 27.3. um 18 Uhr im Orpheum stattfindet, am internationalen Tag des Theaters. Bei meiner „Charkiw Charity Night“ verzichten alle Künstler auf Gagen und spenden für den Partnerschaftsverein Charkiw-Nürnberg. Möge das Gute gewinnen. 

PUT IN PRISON!

OLIVER TISSOT

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