Michael Quentel

Feb 022005
 

Hans Wirsching Dieser Wein ist ein kleines Meisterwerk, dass imho jung genossen werden muß.
Der Wein hat alle Anlagen für einen Abend voller Genuß: Struktur, enorme
Dichte, ausreichend Säure, viel Frucht und Differenziertheit.

In der Nase ein Aromenstrauß von grüner Banane, floralen Noten, Mandeln,
getrockneten Birnen, Apfel und etwas Cirtrus, auch reife Quitte und
Kiwi-Frucht. Am Gaumen ein ähnlich breit gespannter Bogen von Fruchtaromen;
gegen Ende etwas sahnige Noten. Daneben besitzt der Wein sehr viel Extrakt
und eine schöne Mineralität. Durch die -trotz des Jahrgangs – gute
Säure und die enorme Dichte / Saftigkeit  wird der hohe Alkohol (15%)
gut abgepuffert – so macht der Wein gerade jung sehr viel Freude. Im Abgang
ewig lang, getragen von Frucht und  einer zarten Cremigkleit, die den
Gaumen gut ausfüllt und die Zunge  ausgesprochen lange umspült. 91
Punkte (die 85 des Gault Millau sind (sorry) eine Frechheit gegenüber dem
Wein und seinem Schöpfer)

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Jan 082005
 

Mont du Toit

Auf dem letzten Hamburger Weinsalon habe ich diesen Wein auf dem Stand
eines Händlers verkostet und war erschrocken, denn der Wein war total
überreif, am Beginn ein handfesten Oxydation und war total unausgewogen.
Völlig überrascht und anschließend besorgt, ob der 6 Flaschen in meinem
Keller (die immerhin €40/Fl. gekostet hatten) habe ich den Weinsalon später
verlassen. Nun endlich fand sich genug Zeit, um den Wein abermals zu
verkosten – ein Flasche aus dem Bestand. Der Wein präsentierte sich letzlich
so, wie ich es ursprünglich erwartet hatte. Die Frage, was mit der Flasche
auf dem Weinsalon faul war bzw. warum man seitens des Ausstellers nichts
gemerkt hat, bleibt wohl immer unbeantwortet. Die aktuelle Notiz:

Tiefes, sattes rot-schwarz, schöner Glanz. Die Nase ist auffalllend
dicht, Fruchtkompott, Johannisbeeren, Brombeeren, Sandelholz; süßliche
würzige Aromatik, Schokolade, ein Hauch von Zimt und Muskat (Aromen aus dem
barrique), sehr reife Frucht – aber nicht überreif.  Am Gaumen legt
sich ein weicher Teppich aus Frucht, Süße – gepuffert mit ausreichend Säure
– und feinsten Würzaromen (Süßholz, Vanille und wieder ein wenig Muskat)
über die Zunge; in der Aromatik vom Syrah geprägt. Gute Länge und trotz des
hohen Alkohols und der reifen Frucht, wird man animiert, mehr als ein Glas
zu trinken. 90 Punkte

Man darf gespannt sein, wie es mit Mont du Toit weitergeht. Seit dem Tod
von B.Breuer hat man von dem joint venture nichts mehr gehört. Die Website
von Mont du Toit ist noch nicht einmal angepaßt worden.

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Nov 022004
 

2000 Roberto Anselmi Dieser im Recioto / Passito – Verfahren erzeugte Süßwein aus dem Veneto
offenbart deulich den Botrytis-Befall seiner Trauben – Noten von Mandeln,
Marzipan, etwas (Sauer)kirschen, viel Schmelz, viel Süße, die durch die
ordentliche Säure sehr gut abgepuffert ist. Am Gaumen vielschichtig und
komplex, extraktreich, aus dem Holz Karamellnoten. 90 Punkte

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Nov 022004
 

1997 Villa S. Anna Dieser von drei Damen aus Montalcino produzierte Wein ist
im optischen Vergleich eher das Gegenteil zu seinen
Erzeugerinnen: er erinnert mich an den Hustensaft aus meiner
Kinderzeit – rose-bräunlich mit „Bröckchen“. Im Glas
sirupartige Konsistenz; in der Nase verbreitet er einen sehr
intensiven, aber gleichzeitig zarten und feminen Duft.
Kandierten Früchte, feinstes Holz, und florale Aromen,
Orangenmarmelade. Dieser Wein umschmeichelt mit seiner
Aromenvielfalt die Zunge, fast ölig und doch mit viel Druck –
man kann sich diesem Wein nicht entziehen! Für mich der
Inbegriff eines gelungenen Vin Santos. 96 Punkte

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Nov 022004
 

2000 Chateau d‘ Aydie Dieser aus dem Madiran stammende aufgebohrte
(mit reinem Alkohol gestoppte Gärung) Wein ist ein
Extremsportler in vielerlei Hinsicht. 17% Alkohol gepaart mit
viel, viel – mir zuviel Tannin – lassen selbst den geübten
Weinfreund erst einmal beeindruckt aus der Wäsche schauen.
Medizinale Töne, kühler Ansatz, Schwarzkirsche, Kautabak,
mineralische Noten, schlagen positiv zu Buche, aber das viele
Tannin, die fehlende Eleganz, die für 17% Alc nicht
ausreichende Länge, rufen bei mir keine Freude hervor – mir
ist der Wein zu extrem. Dieser Wein polarisiert, daher wird es
sicher genug Weinfreunde geben, die zu einem anderen Urteil
kommen. Weiterhin muss man ihm zu Gute halten, dass die Tannat
Traube sehr viel Zeit in der Flasche braucht, um zu reifen.
Daher ist nicht auszuschließen, dass dieser Wein in 10-20
Jahren vielleicht die völlige Verzückung bei seinen Trinkern
hervorruft. Aktuell 83 Punkte

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Nov 022004
 

1998 Ernst Triebaumer

Der für den Neusiedlersee typische starke Botrytisbefall hat
einmal mehr für ein herausragenden Süßwein gesorgt: delikate
Würzigkeit, viel Power, sehr tiefe und vielschichtige Nase
(Nasenbärwein); am Gaumen ebenfalls sehr komplex und elegant,
viel Extrakt(süße), sehr schmelzig. Auf Grund des perfekten
Säure-Süße-Spiels hat diese Essenz ein hohes Maß an Harmonie
und Eleganz (das sonst für Weine mit sehr, sehr hohem
Restzucker typische Kratzen im Hals fehlt total); feine
Würzigkeit und Mineralik, die zu den kandierten gelben
Früchten ideal paßt. 95+ 

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Nov 012004
 

1997 Ch. de la Roulerie

Aus 100% Chenin Blanc erzeugter Süßwein aus der App. Coteaux
du Layon Chaume an der Loire. Für diesen fast öligen, sehr
dichten Süßwein werden Noten von Honig, Mandeln, Bratapfel
und Orangenschalen, sehr tiefe Aromatik, gekochte Birnen und
sehr reife Bananen werden in der Runde der Weinfreunde
aufgerufen. Trotz der Schwere des Weins kann man schwer die
Finger davon lassen, die hohe Säure puffert auch hier die
Süße gut ab, sodaß ein sehr harmonischer Gesamteindruck
entsteht, der sich lange, sehr lange auf der Zunge und am
Gaumen hält. 94 Punkte

 

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Okt 312004
 

2000 Roberto Anselmi

Recioto di Soave I Capitelli 2002 - Anselmi 

Dieser Recioto di Soave verheimlicht die Botrytis seiner
Trauben keineswegs; Aromen von Mandeln, Marzipan und
kandierte gelbe Früchte sind höchst angenehm. Der Wein
besitzt viel Schmelz, viel Süße, die durch die Säure gut
abgepuffert ist – am Gaumen vielschichtig und komplex, sehr
extraktreich, schöne Karamellnote vom Holz, tolles Finale. 90
Punkte

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Okt 312004
 

Durbacher Winzergenossenschaft Der letzte Wein in einem 4er flight von natursüßen Weinen
kommt mit einem Duft von Rosinen und Dörrobst sowie einer
recht eindeutigen Traminernase daher. Der Wein läuft fast ölig
über die Geschmacksporen, kleidet den Mund vollkommen aus mit
seiner reintönigen, aber mir zu intensiven Tramineraromatik –
wirkt etwas breit; hin zum Abgang wird der Mangel an Säure
immer deutlicher; hohe Viskosität, langer Nachhall. 82/83
Punkte

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